Wärmepumpen nachrüsten

Energieexperte Prof. Dr.-Ing. Michael Bauer, Partner bei Drees & Sommer, spricht über die Herausforderungen der Wärmewende und über Stolpersteine bei dem vermehrten Einsatz der Wärmepumpen-Technologie. Er rät zu einem standardisierten Vorgehen – insbesondere im Wohngebäudebestand.
Herr Professor Bauer, die Bundesregierung will im Rahmen der Wärmewende bis 2030 sechs Millionen Wärmepumpen in deutschen Wohngebäuden einbauen lassen. Wie realistisch ist dieses Ziel?
Prof. Michael Bauer: Was dazu bislang in erster Linie fehlt, ist das entsprechende Know-how im Markt. Also das Wissen bei Planern, Beratungszentren, ausführenden Firmen und Kunden, wie sich fossile Bestandsheizungen wirtschaftlich zu Wärmepumpenheizungen umbauen lassen.
Das heißt, dass man theoretisch zwar weiß, wie es gehen würde. Nur in der Praxis ist es dann nicht ganz so einfach?
Genau. Dazu ein Beispiel: Einfamilienhäuser müssten zuerst detailliert untersucht werden, um für sie eine wirtschaftliche Lösung entwickeln zu können. Kleine Handwerksbetriebe können das in der Regel nicht leisten. Auch viele Energieberater sind damit überfordert, weil die Wärmepumpen-Technologie niedrigere Betriebstemperaturen benötigt als die meisten Bestandsheizungen haben. Gleichzeitig führen die Fragen, die man sich stellen muss, schnell in die Tiefe. Etwa: Wie ist die Betriebsweise der aktuellen Heizung? Wie weit können die Betriebstemperaturen abgesenkt werden, damit die Wärmepumpe wirtschaftlich läuft und es trotzdem warm wird? Was muss dazu umgebaut werden? Braucht es Speicher? Wie ist es um deren Wirtschaftlichkeit bestellt? Was kostet das Ganze? Kann man mit Photovoltaik die ökonomische Bilanz verbessern? Welche Wärmequellen stehen zur Verfügung? Gibt es sinnvolle Alternativen zur Wärmepumpe? Parallel gilt es, sich bei möglichen Förderungen von Wärmepumpen zurecht zu finden: Wer hat überhaupt Anspruch auf eine Förderung? Wofür genau gilt diese? Wie hoch fällt sie aus? Wie wirtschaftlich wird damit unterm Strich eine Wärmepumpe?
Was muss man bei Wärmepumpen beachten?
- Die Problematik von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden besteht im Wesentlichen in dem großen Temperaturunterschied zwischen der Wärmequelle und der Betriebstemperatur des Heizsystems.
- Mögliche Maßnahmen sind unter anderem die Senkung der Betriebstemperatur von Heizsystemen sowie die richtige Wahl der Wärmequelle.
- Die gängigsten Wärmequellen im Zusammenhang mit Wärmepumpen im Wohnungsbau sind Außenluft, Grundwasser, Geothermie, Abwasser oder z.B. sogenannte Ringgrabenkollektoren.
- Bei der Wahl der Wärmepumpe mit der geeigneten Wärmequelle sollten Aufwand und Nutzen gegeneinander abgewogen werden.
- Je nach Gebäude sind unterschiedliche Wärmestrategien zu verfolgen. Neben einer Wärmepumpe können zum Beispiel auch Nah- oder Fernwärmenetze in Frage kommen.
Da schwirrt einem der Kopf. Gibt es denn nichts, was bei dieser Technologie schon fest steht?
Doch. Alle notwendigen technischen Komponenten gibt es. Und diese sind auch ausgereift. Was fehlt, sind ausreichende Auslegungs- und Betriebserfahrungen. Zumal zu der richtigen Kombination einzelner Komponenten in Bestandsgebäuden.
Das wäre meine nächste Frage: Im Neubau sind Wärmepumpen nahezu gesetzt. Was hemmt die Technologie aber im Bestand?
Dazu muss ich zunächst auf ein physikalisches Grundprinzip von Wärmepumpen eingehen: Die Technologie ist am effektivsten, wenn der Temperaturunterschied zwischen der Wärmequelle, also etwa der Außenluft oder der Geothermie, und der sogenannten Wärmesenke – das ist die Betriebstemperatur des jeweiligen Heizsystems – möglichst gering ausfällt.
Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass die Heizungen in Bestandsgebäuden in der Regel höhere Betriebstemperaturen als in Neubauten haben – nämlich meist etwa 70 Grad Celsius oder höher. Damit ist dort die Differenz zwischen den Wärmequellen und der Betriebstemperatur generell recht hoch. Das führt dazu, dass der Betrieb einer Wärmepumpe im Bestand meist unwirtschaftlicher ist als im Neubau.